Handwerk als unverzichtbares Element von Wirtschaft und Stadtgesellschaft
Die Stadt Frankfurt am Main und die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main wollen den Handwerksstandort gemeinsam weiterentwickeln, stärken und ausbauen. OB Mike Josef und Bürgermeister Nils Kößler haben dazu gemeinsam mit Präsidentin Susanne Haus und HWK-Geschäftsführer Christof Riess neue Leitplanken der Zusammenarbeit vereinbart.
v.l.: HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Christof Riess, HWK-Präsidentin Susanne Haus, Oberbürgermeister Mike Josef und Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent Dr. Nils Kößler unterzeichnen die Fortschreibung und Aktualisierung des Entwicklungsprogramms Frankfurffm. Die Stadt Frankfurt am Main und die Handwerkskammer (HWK) Frankfurt-Rhein-Main wollen den Handwerksstandort gemeinsam weiterentwickeln, stärken und ausbauen. Oberbürgermeister Mike Josef und Nils Kößler, Bürgermeister und Dezernent für Wirtschaft, Recht und Innovation, Susanne Haus, Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, und HWK-Hauptgeschäftsführer Christof Riess haben sich dazu auf die Fortschreibung und Aktualisierung ihres gemeinsamen 2012 erstmals aufgesetzten Entwicklungsprogramms verständigt.
Mit der Unterzeichnung werden zahlreiche Programme fortgeschrieben. Etwa der Frankfurter Gründerfonds, der 2010 an den Start ging und sich mit seinem Modell der 80-Prozent-Bürgschaft auch auf Neugründungen im Handwerk erstreckt. Oder die Kredit- und Gründungsberatung der gemeinnützigen Gesellschaft Kompass. Die Partner haben auch die Fortsetzung ihrer Dialogformate verabredet, allen voran das jährliche Handwerksgespräch mit Spitzen der Kammer und des Magistrats, aber auch die kleineren Runden auf Stadtteilebene sowie fach- und zielgruppenbezogene Gremien auf Arbeitsebene.
Das aktuell größte gemeinsame Vorhaben ist die Errichtung eines Bildungscampus in Rödelheim, wo auf 38.000 Quadratmetern eine Berufsschule und das Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer miteinander verzahnt werden, um die Fachkräfte von morgen auszubilden.
Beide Partner bekräftigen auch ihre Absicht, günstigen Wohnraum für Auszubildende zu schaffen. Entsprechende Wohnheime werden derzeit von der Konversion- und Entwicklungsgrundstücksgesellschaft (KEG) im Hilgenfeld und in Niederursel geplant. Auch der Bedarf an der Entwicklung weiterer Gewerbeflächen wird dokumentiert. Die Errichtung von Handwerkerhöfen gilt beiden als geeignet, um Flächen und Räume zu attraktiven Konditionen zu schaffen. Außerdem sollen leerstehende Flächen in Büroimmobilien auf ihre Eignung für handwerkliche Nutzung untersucht werden.
Einen großen Raum nimmt der sogenannte Wirtschaftsverkehr ein: Die Stadt erklärt sich gegenüber der Kammer bereit, die Einrichtung von Lieferzonen zu prüfen, in denen Handwerker länger halten dürfen. Innerhalb der Stadt soll ein regelmäßiger Austausch zwischen der Wirtschaftsförderung und dem Straßenverkehrsamt etabliert werden. Um das Parken in der Stadt für Handwerker insgesamt zu erleichtern, soll der Gewerbeparkausweis überarbeitet werden.
Modernisierung, Transformation und Digitalisierung werden bereits erfolgreich durch die Innovationsplattform Frankfurt Forward adressiert. Die ursprünglich aus dem Handwerkskontext entwickelte Netzwerkreihe „CraftTech Innovationsforum“ wird heute von der Plattform, der Kammer und der Frankfurt University of Applied Sciences gemeinsam organisiert, um den Kontakt zwischen Handwerk, Startups und angewandter Wissenschaft zu intensivieren. In der Vereinbarung ist nun festgehalten, dass Frankfurt Forward weitere Formate fürs Handwerk entwickeln soll.
Die Kammer wünscht, dass das Handwerk bei den städtischen Planungen der Energie- und Wärmeversorgung frühzeitig einbezogen wird, damit die Betriebe ihre Kundinnen und Kunden besser beraten können. Auch an der Erschließung neuer Potenziale durch die Kreislaufwirtschaft will man mitwirken. Weitere Kooperationen betreffen die Vernetzung von Arbeitsmarktakteuren, um An- oder Ungelernte in Ausbildung und bis zum Berufsabschluss zu bringen. Die Initiative, mehr Frauen für Handwerksberufe zu gewinnen, wird fortgesetzt. In einem weiteren Projekt wird versucht, Auszubildende, die abbrechen wollen, zum Weitermachen zu überzeugen.
In Frankfurt am Main haben rund 7400 Handwerksbetriebe nahezu aller Gewerke ihren Sitz. Sie beschäftigen rund 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter sind etwa 2000 Auszubildende. Weiterhin gibt es sieben Berufsschulen mit einem Schwerpunkt auf handwerkliche Ausbildung in der Stadt, dazu je eine Landesfachschulen für Kfz-Gewerbe und Friseurhandwerk sowie die Bundesfachschule Zweirad.
Oberbürgermeister Josef sagt: „Das Handwerk ist eine feste Säule unserer Stadt. Die rund 7400 Handwerksbetriebe bilden junge Menschen aus, schaffen Arbeitsplätze und sorgen mit ihrer täglichen Arbeit dafür, dass Frankfurt funktioniert und lebenswert bleibt. Ob beim Wohnungsbau, bei der Energiewende oder bei der Modernisierung unserer Infrastruktur, ohne gut ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker werden wir diese Aufgaben nicht bewältigen können. Deshalb wollen wir dem Handwerk auch zukünftig gute Perspektiven in unserer Stadt bieten. Dazu gehören beispielsweise bezahlbare Gewerbeflächen, moderne Ausbildungsstätten und Wohnraum für Auszubildende. Mit der Fortschreibung des gemeinsamen Entwicklungsprogramms festigen wir unsere Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und setzen konkrete Impulse, damit das Handwerk auch in Zukunft ein fester Bestandteil unserer Wirtschaft und unseres Frankfurts bleibt.“
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„Das Handwerk ist eine zentrale und unverzichtbare Säule unserer Stadt“, sagt Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent Kößler. „Seine Betriebe sind durch ihre lokale Wertschöpfung, die vielen qualifizierten Arbeitsplätze und die enge Verbindung zu den Menschen in den Stadtteilen prägend für das Wirtschaftsleben und zugleich wichtige Bindeglieder innerhalb unserer Stadtgesellschaft. Aber Handwerksbetriebe stehen auch vor großen Herausforderungen. Mit der Fortschreibung des Entwicklungsprogramms setzen wir ein klares Zeichen: Von Flächenvorsorge und Fachkräftesicherung über Innovation und Digitalisierung bis hin zu Mobilität, Nachhaltigkeit und fairer Vergabepraxis werden wir das Frankfurter Handwerk stärken und sichern.“
„Handwerk macht Frankfurt lebens- und liebenswert“, sagt HWK-Präsidentin Haus. „Die mehr als 7000 Handwerksbetriebe sind verlässliche Partner für die Menschen in der Stadt – seien es Kunden oder Auszubildende. Wir begrüßen die Fortschreibung des Entwicklungsprogramms Frankfurter Handwerk aus dem Jahr 2012 in die Zukunft und freuen uns auf Perspektiven und Projekte, die das Handwerk in Frankfurt als relevanten Wirtschaftsakteur wieder stärker in den Fokus nehmen. Gerade mit Blick auf die Abwanderung von Handwerksbetrieben aus der Stadt in den vergangenen Jahren sowie auf die Herausforderungen, die zum Beispiel bei der Klimawende vor uns liegen und die nicht ohne Fachkräfte gemeistert werden können, ist dies von besonderer Bedeutung.“
Bernhard Grieb, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt, sagt: „Der Stadt Frankfurt und uns als Wirtschaftsförderung ist es wichtig, die Betriebe zu unterstützen, die als Arbeitgeber, Ausbilder und Innovationsmotoren die Wirtschaft in der Stadt und die Infrastruktur am Laufen halten. Handwerksbetriebe sichern Wertschöpfung vor Ort und tragen entscheidend zu wichtigen Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Mobilität und Nachhaltigkeit bei. Mit unserem Unternehmensservice, der zwischen Betrieben und Ämtern koordinierend unterstützt sowie den Projekten des Entwicklungsprogramms, darunter unsere Wirtschaftstage in den Stadtteilen, der Frankfurter Gründerfonds und der Frankfurter Gründerpreis, beteiligen wir uns aktiv daran, dass Frankfurt ein stabiler und starker Standort für das Handwerk bleibt.“